Illustrationen und Geschichten


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Der kleine Fisch
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Der kleine Fisch
Ein Märchen für große und kleine Weltbürger
(Nach einer Geschichte von Ulrich Heinold mit Illustrationen von Bali Tollak, © 1991)



Es war einmal ein kleiner Fisch, der lebte weit unten auf dem Meeresgrund in einer Höhle aus Lavagestein. Die Höhle war so groß, dass sie für den kleinen Fisch allein ein riesengroßer Palast war. Der kleine Fisch hatte sie sehr schön eingerichtet mit schönen Möbeln und Bildern und Vorhängen an den Wänden.



Der kleine Fisch war froh, dass er so ein wunderbares Heim gefunden hatte.
Als er eine Zeit lang dort wohnte, wurde es dem kleinen Fisch langweilig. So ein schönes Haus, so viel Platz - und immer nur für ihn allein! Da verschickte er mit dem Seepferdchen als Postbote Einladungen an alle Fische und Meerestiere in seiner Umgebung, sie könnten ihn besuchen wann immer sie wollten. Jeder sollte etwas zu essen und zu trinken mitbringen. Dann würden sie lustige Gesellschaften abhalten und zusammen fröhlich sein und viel Spaß haben.



Das ließen sich die Eingeladenen nicht zweimal sagen. Jeder brachte etwas mit wenn er kam und von da an war dem kleinen Fisch nie mehr langweilig.



Davon hörten auch der Haifisch und der Krake. Auch ihnen gefiel die Idee und sie beschlossen, den kleinen Fisch ebenfalls zu besuchen. Sie waren zwar groß, aber auch der Palast, hieß es, sei sehr groß. Vielleicht konnten sie also an den Gesellschaften teilnehmen. Beide schrieben dem kleinen Fisch einen Brief und fragten an, ob sie kommen dürften.



Erstaunt las der kleine Fisch die beiden Briefe und bekam etwas Angst. Der Krake und der Haifisch, das waren alles andere als kleine Fische. Ob diese Art von Gästen den anderen willkommen sein würde?



Der kleine Fisch war jedoch besonnen und versuchte nie voreilige Entscheidungen zu treffen. Wenn er sich keinen Rat wusste, fragte er seine Freunde. Das tat er auch jetzt. Den Seestern fragte er, ob er den Kraken einladen sollte. Der Seestern war entsetzt.
Ich habe einmal gesehen, wie er einen Nachbarn von mir gefangen und ausgesaugt hat! Der ist böse! Wenn du den Kraken einlädst, kann ich nicht mehr zu Dir kommen!
Das machte den kleinen Fisch traurig, denn er wollte nur ungern dem Kraken einen Besuch verweigern. Er hatte so höflich angefragt! Ob er auch den Haifisch nicht einladen sollte, fragte er den Seestern.
Doch, den kannst Du jederzeit kommen lassen,” antwortete sein Freund, „der hat unsereins noch nie etwas angetan. Wir würden auch seinem Magen nicht gut tun.
Das beruhigte den kleinen Fisch. Wenigstens diesen Gast konnte er kommen lassen.



Aber weil er ein besorgter kleiner Fisch war, fragte er noch einen anderen Freund, den Hering.
Den Kraken kannst Du ruhig einladen,
sagte der, worüber der kleine Fisch staunte.
Der hat unsereins noch nie etwas zuleide getan. Wir wären auch viel zu schnell für ihn, als dass er uns erwischen könnte.
Aber als die Rede auf den Haifisch kam, war der Hering entsetzt.
Das ist unmöglich!”, sagte er, „Der verfolgt Heringe und frisst sie, wo immer er sie findet. Wenn Du den einlädst, kann ich nicht mehr zu Dir kommen!
Da war der kleine Fisch endgültig verwirrt und sehr traurig.



Er hatte es so gut gemeint und jetzt sollte er zwei Gästen, die gerne kommen wollten, die Tür vor der Nase zuschlagen? Lange wusste der kleine Fisch nicht was er tun sollte. Wie er sich auch verhalten würde, er würde sich auf jeden Fall Feinde machen oder mindestens Freunde verlieren. Würde er beide nicht einladen, so wären sicher beide verärgert. Würde er aber auch nur einen von ihnen kommen lassen, so würde die Hälfte seiner übrigen Gäste fortbleiben. Eine Zeit lang schloss sich der kleine Fisch in seinem Palast ein, ließ niemanden mehr herein und überlegte.



Nach einer Weile begannen sich die anderen kleinen Fische und alle Freunde, die er sonst noch hatte und die ihn immer wieder besuchen wollten, zu wundern. Gelegentlich klopfte der eine oder andere von ihnen an die Tür und fragte, ob es ihm denn gut gehe. Jedes mal antwortete er, es gehe ihm nicht so gut. Bald werde er wieder Zeit für sie haben und seine Gesellschaften fortsetzen. Mittlerweile war die Rede davon, der kleine Fisch habe sich mit dem Kraken und dem Hai verbündet und führe Schlechtes gegen seine angeblichen Freunde im Schilde. Aber der kleine Fisch wusste nichts von dem, was um ihn herum vorging, denn er war noch immer in seinem Palast eingeschlossen.
Eines Tages begegneten sich einige Freunde des kleinen Fisches und kamen miteinander ins Gespräch. Bald entstand aus den vielen kleinen Geschichten, die so zusammen kamen, ein Gerücht.



Es waren sich alle einig, dass sich hier nichts Gutes ankündigte. Gemeinsam fühlten sie sich so mutig, dass sie auch gleich einen Plan fassten und beschlossen sich zu wehren, so lange es noch ging.
Alle zusammen riefen sie Freunde und Bekannte herbei und stürmten zum Kleiner-Fisch-Palast. Dort begehrte einer von ihnen mit honigsüßer Stimme den kleinen Fisch zu sprechen. Der hatte sich inzwischen so lange eingeschlossen gehabt, dass er meinte, er müsse sich nun doch einmal zeigen. So öffnete er nichtsahnend die Tür.
In diesem Augenblick drangen alle Meerestiere, die vor wenigen Tagen noch seine Freunde gewesen waren, in die Höhle ein, packten ihn, nannten ihn einen Verräter und bissen ihn schließlich nieder, ohne dass er sich wehren oder irgend etwas erklären konnte.



Als das passiert war, standen sie beisammen, sahen auf den kleinen Fisch hinunter und begannen traurig zu werden und sich zu wundern. Jetzt waren sie auf einmal nicht mehr sicher, ob sie das Richtige getan hatten.



Aber es war zu spät. Nicht nur, weil der kleine Fisch jetzt wohl tot war, sondern weil inzwischen der Krake und der Haifisch draußen vor der Tür standen.
Weil sie so lange keine Antwort bekommen hatten, hatten beide am gleichen Tag beschlossen, dem kleinen Fisch einen Besuch abzustatten. Jetzt standen sie in der Tür und erkannten was passiert war.
Da wurden beide sehr böse und fielen über die versammelte Gesellschaft her. Der Krake fraß die eine Hälfte von ihnen, der Haifisch die andere. Weil die Tür des Palastes eng war, konnte keiner hinaus. So entkam nicht ein einziger.



Das alles sprach sich schnell herum. Alle, die davon hörten, glaubten nun wirklich, dass der Krake und der Haifisch die allerbösesten Tiere seien, die unten auf dem Boden des Meeres lebten.





Nur ein Gutes hatte die Sache: Der kleine Fisch war nicht wirklich tot. Die Bisse seiner Freunde hatten ihn nur benommen gemacht, aber gestorben war er nicht. Als der kleine Fisch aufwachte, sah er was passiert war und wurde trauriger als vorher. Später erzählte er anderen Meerestieren davon, aber keines wollte ihm seine Geschichte glauben. Da packte der kleine Fisch das Notwendigste zusammen und schwamm fort.



In einem weit entfernten Teil des Meeres suchte er sich eine neue Höhle. Diesmal eine kleinere, die gut für ihn ausreichte und auch sehr gemütlich war. Langsam wurde er wieder gesellig. Aber weil er nicht mehr so viel Platz wie früher hatte und sein Vertrauen in die Welt verloren war, lud er von da an immer nur wenige Gäste zu sich ein. Auch das waren dann nette Abende in guter Gesellschaft.
Eines Tages kamen der Krake und der Haifisch vorbei, die weiter wanderten als die kleinen Fische. Ins Haus lassen konnte er sie nicht, das war jetzt nicht mehr groß genug. Aber sie brauchten auch kein Haus, um sich zu unterhalten. Sie setzten sich draußen nieder, während der kleine Fisch auf seiner Türschwelle lag und dann pflegten auch sie schöne Abende zusammen zu verbringen.



Man sollte nicht zu sehr auf jede Meinung hören”, dachte der kleine Fisch. „Man sollte selbst entscheiden. Ob einer gut oder schlecht ist, hängt wohl manchmal von den Umständen ab.” Und das entschied er von da an ganz alleine.
Aber er hatte sich noch immer sein großes, weites, freundliches Herz bewahrt. Allen in seiner Umgebung, ob groß oder klein, ob friedlich oder gefräßig, machte er noch oft - so lange er lebte - Freude, und sei es nur durch freundschaftliches Zuhören.

Obwohl es tief unten auf dem Meeresboden nicht immer friedlich zugeht, was man in dieser Geschichte leicht erkennen kann, lebte der kleine Fisch noch lange und war zufrieden. Als er schließlich alt wurde, kam er zu der Feststellung, dass es ganz in Ordnung sein konnte, nur ein kleiner Fisch zu sein. In die Geschichte eingegangen ist er freilich nicht. Und wenn ich nicht alles aufgeschrieben hätte, so wüsste heute niemand mehr etwas davon.


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Schneeflockengeschichten
(Texte und Illustrationen © Bali Tollak 2002)

Schneeflockengeschichte - Das Eisland der „Kalten Maria”

Das Eisland der „Kalten Maria”

Format: A4 (hoch)
Dateigröße: ca. 1,75MB
Schneeflockengeschichte - Die Reise der Schneeflocke „Dicke Berta”

Die Reise der Schneeflocke „Dicke Berta”

Format: A4 (hoch)
Dateigröße: ca. 1,75MB
Schneeflockengeschichte - Die Schneeflocke „Emma” und die Lawine

Die Schneeflocke „Emma”
und die Lawine

Format: A4 (hoch)
Dateigröße: ca. 1,75MB
Schneeflockengeschichte - Wie die Schneeflocke „Peter” zur Disco kam

Wie die Schneeflocke „Peter”
zur Disco kam

Format: A4 (hoch)
Dateigröße: ca. 1,75MB
Schneeflockengeschichte - Wie die Schneeflocke „Sanfte Anna” auf die Erde kam

Wie die Schneeflocke
„Sanfte Anna” auf die Erde kam

Format: A4 (hoch)
Dateigröße: ca. 1,75MB


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Regenbogengeschichte
(Text © Bali Tollak 2002)

Es war einmal ein Regentropfen, der rutschte mit anderen Regentropfen von einem großen Blatt in die Wiese. „Wo kommt ihr denn her?” fragte ein großer blauer Käfer den kleinen Wassertopfen. „Ich glaube, vom Himmel”, sagte der Tropfen. „Paßt auf, dass euch die Sonnenstrahlen nicht auflecken”, lachte der Käfer und lief davon, „die Sonne hat ständig Durst!”.
„Die Sonne hat ständig Durst?” dachte der kleine Wassertropfen, der auf dem Wiesengrund lag; „oh weh, was tun?” Noch lag er bäuchlings in der Morgenkühle. Es hatte nachts stark geregnet und viele andere Tropfenkinder waren mit ihm hier versammelt und benetzten das Gras. Vögel kamen auf die Wiese geflogen und suchten fette Regenwürmer, der blaue Käfer aber war fort. Der kleine Wassertropfen dachte an die durstige Sonne. Doch noch war es ja kühl.
Auf einmal brach über der feuchten Wiese helles Licht aus, die wärmenden Sonnenstrahlen glätteten die Gräser, die Blumen reckten ihre Köpfe und öffneten ihre Blüten hin zum blauen Himmel. Bevor sich der Wassertropfen versah, wurde er von einer unsichtbaren Kraft nach oben gehoben - mit all den anderen Tropfenkindern. Immer weiter, hoch, höher und höher - und da bildeten sie zusammen einen dichten, weißen Wolkenhaufen voller Regentropfenkinder. Sie waren an den Strahlen der Sonne wieder nach oben - in die Wolkenhäuser - gestiegen.
Dort oben riefen sie sich lustige Sachen zu, hüpften hin und her und fühlten sich in der Welt der Luftgeister und der Wolkenvorhänge besser als unten im Gras. Sie waren weit oben über den Wiesen und dem grünen Wald. Immer wirbelnder wurde der Tanz der Regentropfenkinder. Sie wuchsen und wuchsen und wurden schwerer und schwerer. Plötzlich rissen die Wolkenvorhänge und alles begann von vorn. Sie fielen hinunter auf die Erde.
„Es regnet”, sagten die Menschen und spannten ihre Schirme auf. Da kam Mutter Sonne und sah nach ihren Tropfenkindern. Die tanzten gerade einen wunderbar farbigen Regenbogentanz im Licht von Mutter Sonne und am Himmel erstrahlten die schönsten Farben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett. Ein Erdenkind sah diesen Regenbogentanz der Tropfenkinder und malte seiner Mutter ein wunderschönes Regenbogenbild.

Mal doch auch mal ein Bild zu dieser Geschichte!


Die Klasse 1b der Grundschule Hötensleben (Sachsen-Anhalt) hat 2002 zu dieser Geschichte Bilder gemalt:

Regenbogengeschichte - Illustration von Nico Sarnes
Illustration von
Nico Sarnes
Regenbogengeschichte - Illustration von Saskia Hanne
Illustration von
Saskia Hanne
Regenbogengeschichte - Illustration von Dave Groß
Illustration von
Dave Groß
Regenbogengeschichte - Illustration von Robin Queißer
Illustration von
Robin Queißer
Regenbogengeschichte - Illustration von Julia Bele
Illustration von
Julia Bele
Regenbogengeschichte - Illustration von Britta Sackmann
Illustration von
Britta Sackmann
Regenbogengeschichte - Illustration von Sophie Paulmann
Illustration von
Sophie Paulmann
Regenbogengeschichte - Illustration von Angelina Thieme
Illustration von
Angelina Thieme
Regenbogengeschichte - Illustration von Firat Ürüc
Illustration von
Firat Ürüc
Regenbogengeschichte - Illustration von Cati Jäkel
Illustration von
Cati Jäkel
Regenbogengeschichte - Illustration von Nevrije
Illustration von
Nevrije
Regenbogengeschichte - Illustration von Pascal Bugenhagen
Illustration von
Pascal Bugenhagen
Regenbogengeschichte - Illustration von Michelle Keune
Illustration von
Michelle Keune
Regenbogengeschichte - Illustration von Natascha Hildebrand
Illustration von
Natascha Hildebrand
Regenbogengeschichte - Illustration von Halime
Illustration von
Halime
Regenbogengeschichte - Illustration von Larissa Peters
Illustration von
Larissa Peters
Regenbogengeschichte - Illustration von Victor Tinguely
Illustration von
Victor Tinguely
Regenbogengeschichte - Illustration von Kai Meyer
Illustration von
Kai Meyer
Regenbogengeschichte - Illustration von Adrian Krummel
Illustration von
Adrian Krummel
Regenbogengeschichte - Illustration von Sebastian Kundsen
Illustration von
Sebastian Kundsen
Regenbogengeschichte - Illustration von Kati
Illustration von
Kati
Regenbogengeschichte - Illustration von Sebastian
Illustration von
Sebastian
Regenbogengeschichte - Illustration von Mushin Mohammed
Illustration von
Mushin Mohammed
„Waterconnection” - Illustration von Dr. Friederun Friederichs-Hardt aus Herrenberg zur Regenbogengeschichte von Bali Tollak - Mischtechnik; Aquarell, collagiertes Foto als Farbkopie, beklebt mit Papierwassertropfen - „Der Weg des Wassers” 2002
„Waterconnection”
Illustration von Dr. Friederun Friederichs-Hardt aus Herrenberg zur Regenbogengeschichte von Bali Tollak

Mischtechnik; Aquarell, collagiertes Foto als Farbkopie, beklebt mit Papierwassertropfen
„Der Weg des Wassers” 2002


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